Sauerstoffeintrag bei Pumpentests
Bei jedem Pumpentest wird Wasser mit hoher Geschwindigkeit aus dem Tank entnommen und danach wieder aufgefüllt. Dabei gelangt zusätzlicher Sauerstoff in den Behälter. Dieser Sauerstoff löst sich im Wasser und reichert sich – physikalisch bedingt – direkt an der Wasserlinie an.
Für uns aus der Praxis ist das einer der wichtigsten Bereiche überhaupt: Die Wasserwechselzone ist der stärkste Treiber für Korrosion und Materialschäden, ganz gleich ob im Stahlbehälter oder im Betontank.
Bei Stahltanks führt der permanente Sauerstoffeintrag in Kombination mit dem zyklischen Absenken und Anheben des Wasserspiegels zu einem ständigen Wechsel zwischen sauerstoffreichem und sauerstoffarmem Milieu. Genau dieser Wechsel beschleunigt:
- Lochfraßkorrosion (Pitting)
- Unterwanderung und Blasenbildung der Beschichtung
- mikrobiell beeinflusste Korrosion (MIC)
- Korrosion an Einbauten wie Rohren, Rohrschellen und Antiwirbelplatten
Bei Betontanks wirkt der Effekt anders, aber genauso kritisch:
Die Wasserlinie durchfeuchtet den Beton immer wieder, der obere Bereich trocknet danach ab – oft täglich oder wöchentlich, abhängig vom Pumpenbetrieb. Dieser Feuchte-Trocknungs-Zyklus ist für Beton extrem belastend:
- Der Beton nimmt Wasser auf und gibt es wieder ab
- Dadurch werden feinste Risse aktiviert oder vergrößert
- Carbonatisierungsprozesse schreiten schneller voran
- Die Bewehrung (Stahl im Beton) wird an der Wasserlinie besonders gefährdet, weil Sauerstoff + Feuchtigkeit perfekt zusammenkommen
- Auch Beschichtungen (falls vorhanden) werden dort am stärksten unterwandert
Das Ergebnis: In Stahl- und Betontanks entstehen rund 80 % aller späteren Schäden genau in der Wasserwechselzone, und zwar lange bevor im unteren Bereich des Tanks überhaupt etwas auffällig wird.
